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Was, wenn ich es mir nicht leisten will (kann), für ein paar wenige Fotos zu reisen?

Beim Fotografieren geht es neben dem „richtigen“ Licht, den Einstellungen oder dem Motiv auch um die Location, also den Ort des Geschehens. Allen, die Landschaften fotografieren, ist das natürlich klar. Aber auch bei der Portraitfotografie oder Streetfotografie spielt der Ort eine wichtige Rolle wie ich finde. Wenn man sich die gängigen Social Media Plattformen mal genauer ansieht, dann wird man schnell feststellen, dass oft wahnsinnig tolle Locations zur Verfügung standen. Sei es am Meer, in den Bergen oder in New York zum Beispiel. Was mache ich aber, wenn ich da nunmal einfach nicht bin? Was, wenn ich es mir nicht leisten will (kann) für ein paar wenige Fotos zu reisen oder ich nur einmal im Jahr in den Urlaub kann? Ihr ahnt es – die Antwort ist nicht einfach. Aber es gibt eine.

Für gute Bilder (was sind gute Bilder) muss man nicht unbedingt reisen. Man muss nicht einmal die Stadt verlassen, in der man wohnt. Es gibt sehr viel zu sehen in eurer Umgebung. Ihr seid schon x mal daran vorbeigelaufen und habt es nur nicht durch einen Sucher oder das Display der Kamera gesehen, und das macht einen ziemlich großen Unterschied aus.

Im Alltag seid ihr mit anderen Gedanken beschäftigt und habt meist wahrscheinlich auch gar keine Zeit, um einfach ein Motiv zu sehen. Oder ihr wollt das stirkt trennen, letztlich spielt das keine Rolle. Mir geht es jedenfalls so, dass ich, je mehr oder länger ich fotografiere, ich auch mehr sehe. Mir fallen viele kleine Details auf, die ich früher so nicht beachtet hätte.

Habt ihr schon mal euer Einkaufszentrum, eure Fußgängerzone oder den Park abgelichtet?

Über die Motive lässt sich natürlich streiten. Ihr werdet sicherlich nicht solche wahnsinnig tollen Dinge wie die Skyline von New York vor eurer Haustür finden. Aber das müsst ihr auch nicht. Wenn ihr aus den richtigen Gründen fotografiert, dann sind unzählige Motive bereits vorhanden und warten nur darauf, eingefangen zu werden. Ok, zugegeben, die meisten werden es wahrscheinlich nie in ein Magazin oder ähnliches schaffen. Wenn das euer Ziel sein sollte, dann lest doch einfach mal diesen Beitrag hier durch. Wenn euer Ziel aber die Freude am Fotografieren ist, dann werdet ihr sehr überrascht sein, was alles möglich ist. Das gilt vor allem wenn ihr noch am Anfang steht.

Alles ist durch die Kamera irgendwie interessant und einzigartig. Man bekommt im wahrsten Sinne des Wortes einen anderen Blickwinkel und probiert aus. Und das solltet ihr euch bewahren. Habt ihr schon mal euer Einkaufszentrum, eure Fußgängerzone oder den Park abgelichtet? Wart ihr mal im Erholungsgebiet eine Autostunde entfernt? Habt ihr mal geguckt, was so alles auf der Straße liegt und wie das in bestimmten Lichtsituationen wirkt? Falls nicht – probiert es aus. Nicht alles sieht auf Bildern gut aus, aber ihr werdet dort Dinge sehen, die euch vorher nicht aufgefallen sind. Lichter, Schatten, Formen, Farben, Bewegungen, Hintergründe, Spiegelungen, Strukturen… Die Liste ist im Grunde endlos.

Handelt von dem Stande und der Lebensweise des ruhmvollen Edlen Don Quijote von la Mancha

Wenn ihr das aus Spaß an der Freude macht und nicht, weil ihr andere beeindrucken wollt, gelingen euch fantastische Bilder egal wo ihr gerade seid. Das tolle daran ist nämlich: Wenn ihr eure ach so alltägliche Stadt oder wo auch immer ihr wohnt auf Fotos so einfangt, wie ihr es seht, finden sich automatisch Menschen die sagen: „Wow, wo ist das?“, oder “ Ist das in XYZ???“. Die Wahrscheinlichkeit damit berühmt zu werden ist gering. Aber die Wahrscheinlichkeit Spaß zu haben ist nahe 100 %.

Für mich persönlich hat es noch einen ganz anderen sehr wichtigen Effekt: Ich kann super entspannen und entschleunigen. Ich bin quasi derjenige der still steht und die Hektik um sich rum einfängt, je nachdem, wo ich gerade bin.

Für mich bedeutet Fotografie auch Entspannung und Achtsamkeit. Man ist automatisch im Hier und Jetzt. Es gibt beim Blick durch den Sucher keine Möglichkeit, sich vergangenem oder zukünftigem zu widmen. Das was du siehst ist das, was passiert und schon ist es wieder rum. Keine Bewertung, kein Druck. Ich kann euch nur ans Herz legen es zu versuchen. Vielleicht ist diese Art der Fotografie oder eher die Location nicht das richtige für euch. Ihr habt damit aber nichts verloren, sondern nur an Erfahrung und Wissen gewonnen. Ihr seht also, die Fotografie bringt euch nicht nur in der Fotografie weiter. Sie hilft euch auf vielen verschiedenen Ebenen. Und deshalb ist die Location so wichtig und doch egal.

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