Für wen mache ich das eigentlich?

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Meine besten Bilder oder: Für wen mache ich das eigentlich?

Ihr kennt das: Man sieht sich direkt nach der Aufnahme das Bild auf dem Monitor an und hat die verschiedensten Gedanken. Von „naah, das is nix“, über “ joa, könnte ganz gut aussehen“, bis hin zu „Boah, das is geil“. Soviel dazu. Wahrscheinlich sehr viele verschiedene Gedanken oder Emotionen auf einmal, ohne sie konkret benennen zu können. Manchmal ist auch einfach das Histogramm „falsch“.

Ich kann hier nur für mich sprechen. Aber ich könnte mir vorstellen, dass es einigen von euch auch so geht, dass ihr automatisch in den Präsentationsmodus wechselt.

Gemeint ist damit die Frage, auf welcher Plattform – vor allem Social Media – das Bild denn gut ankommen könnte. Postet man etwas gutes auf Instagram, Facebook, Flickr, 500px oder sonstwo? Wann ist das Bild gut, viel schwieriger noch, wann ist es gut genug?

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich kann euch keine Antwort auf diese Frage geben. Ich kann nicht mal mit Sicherheit sagen, dass dieses Bild weiter unten gut ist. Das beurteilen immer andere. Und darum geht es. Dieses Foto ist eins meiner Besten Bilder. Aber für wen mache ich das eigentlich? In erster Linie für mich. Das war Urlaub, eine fremde Stadt, Kultur, Auszeit, kein Alltag und ganz ganz viele Sinneseindrücke. Wenn ich mir dieses Bild ansehe, weiß ich sofort, dass mir die Lichstimmung und die Szene direkt gefallen hat. Also habe ich es mit mehr oder weniger Anspruch aufgenommen und natürlich noch bearbeitet. Ich habe Schatten und Lichter etc. angepasst, aber dazu in der Rubrik Bearbeitung mehr.

Dieses Bild ist eines meiner vielen besten, weil es für mich persönlich einen riesigen Erinnerungswert hat.

Straßenszene in Venedig

Auch ich möchte wie jeder andere Mensch Anerkennung für meine Werke

Aber für wen habe ich das jetzt gemacht? Klar wollen wir Fotograf*innen ja auch unsere Bilder zeigen und präsentieren. Wir möchten ja auch, dass andere Menschen den Fortschritt sehen, den wir beim Fotografieren machen. Aber die Frage sei erlaubt: Ist das der Grund, warum wir das tun, das Warum?

Ich glaube nein. Ich glaube, dass wir einfach versuchen möchten besondere Momente oder Emotionen festzuhalten und uns dabei einem Hilfsmittel bedienen, unserer Kamera. Wir halten es fest, weil es für uns einen gewissen Wert hat, den niemand anderes jemals exakt so empfinden oder sehen könnte, denn es war unser Moment. Selbst unsere Partner*innen , die in diesem Moment genau neben uns standen, haben diesen Moment nicht exakt so empfunden. Können sie nicht, es war unser Moment. Und dabei spielt es keine Rolle, ob dieser Moment in einem Urlaub war, in unserer Freizeit unseres gewohnten Umfelds, auf der Arbeit oder sonstwo. Und wenn es auch „nur“ ein Hobby von uns ist und wir einfach Spaß daran haben, die technischen Spielereien auszuprobieren, so ist es doch unser Moment, für uns alleine. Er existiert nur für uns in diesem winzigen kleinen Augenblick.

Doch was ist dieser Moment wert, wenn man ihn nicht teilen kann? Was ist dieser Moment wert, wenn wir nicht wenigstens anhand eines Bildes erklären dürfen oder können, was es uns bedeutet hat? Zugegeben, sehr esoterisch oder philosophisch; Dennoch eine wie ich finde wichtige Frage.

Denn in der heutigen Zeit wird ja im Grunde alles geteilt. Bilder, Videos, Geschichten, Emotionen, Nachrichten, 7 durch 3. Das ist per Se weder verwerflich noch schlecht, schließlich lassen wir andere ja teilhaben an dem, was uns Freude bereitet. Im Austausch dafür lassen uns (hoffentlich) andere Menschen teilhaben.

Meine aufgeworfene Frage gilt aber nach wie vor: Für wen mache ich das eigentlich? Für mich natürlich – würde ich jetzt sagen, wenn ich unehrlich wäre. Ich mache das aber leider nicht nur für mich. Auch ich möchte wie jeder andere Mensch Anerkennung für meine Werke, die Arbeit oder meine Anstrengungen haben. Und das funktioniert heutzutage viel über Social Media. Liken, teilen, Repost, Feeds etc. sind das Maß der Dinge, zumindest online bzw. in den weiten des Internets.

Venezianische Fensterfront

Ich gehe mit der Kamera los, weil ich dazu Lust habe

Ich hänge in diesem wenn man so will System genauso oder zumindest ähnlich fest, wie viele andere. Ich weiß aber trotzdem, dass es sich für mich nicht richtig anfühlt und deswegen auch nicht authentisch ist. Und obwohl ich hier auch meine Bilder, Gedanken oder vielleicht sogar Wissen teile, dient es nicht nur dazu.

Diese Plattform oder dieses Medium nutze ich auch sehr viel für mich, weil alles, was ich fotografiere oder über das ich schreibe, ein Stück weit von mir zeigt. So kann man vielleicht auf manchen Bildern sehen, dass meine Stimmung eher gedrückt oder traurig war; Euphorisch oder glücklich. Auch in meinen Zeilen schlägt sich das nieder. Das ist aber nicht schlimm, es hilft mir persönlich weiter, mich selber besser zu verstehen und kennen zu lernen. Und das lerne ich nicht über die Anerkennung anderer oder von außen. Das lerne ich mit und bei mir selbst. Auch wenn es schwer ist und nicht immer gelingt.

Um jetzt dann doch endlich mal die anfangs aufgeworfene Frage zu beantworten: Ich mache das für mich. Ich gehe mit der Kamera los, weil ich dazu Lust habe und wenn nicht, dann bleibt sie halt zu Hause. Ich entscheide selbst, ob Anerkennung für das was ich tue oder leiste, an erster Stelle steht. Es ist auf jeden Fall ein sehr schöner Nebeneffekt. Aber darauf kommt es nicht an. Wie in Venedig gilt auch bei allen zukünftigen Bildern: Es ist mein Moment und mein Bild, mit dem ich etwas ganz bestimmtes verbinde oder ausdrücken möchte. Also mach ich es auch in erster, in allererster Linie für mich.

Viele der weltbekannten Fotografen hatten keine Lobby, kein Instagram, kein Facebook oder ähnliches. Sie folgten ihrer Leidenschaft, ihrer Inspiration und genau deshalb, sind es weltbekannte Fotografen geworden. Die Bilder sind einzigartig und das sehen viele Menschen. Damit kommt die Anerkennung dann von ganz alleine.

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